| Die Wahrheit über die "Fettverbrennung" |
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Optimaler Fettabbau durch Training |
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Dr. Kurt A. Moosburger (Facharzt für Innere Medizin, Sportarzt) |
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Wenn
es um Gewichtsreduktion im Sinne einer Reduktion des Körperfettanteils
geht, werden bezüglich der optimalen Fettverbrennung durch körperliches
Training von vielen ”Fitness-Gurus” und Trainern, sogar von manchen
Sportwissenschaftlern und vor allem in Fitnessstudios unzweckmäßige
Empfehlungen abgegeben. Konkret wird relativer
und absoluter Anteil der
Fettverbrennung (genauer: Energiegewinnung durch Oxidation=Verbrennung freier
Fettsäuren, die durch Spaltung von Fett, vorwiegend aus dem Fettgewebe,
entstehen) am Energieumsatz
(Kalorienverbrauch) in einen Topf geworfen und beim ”Fettabbautraining” von
falschen Vorstellungen ausgegangen. Beispiel
1: B)
Laufen mit mittlerer Geschwindigkeit, Herzfrequenz 75 bis 80% der max.
Herzfrequenz (z.B. 150 - 160/min). Hier haben wir einen deutlich höheren
Energieumsatz (ca. 15 bis 18 kcal/min), wobei die Energie zu ungefähr 50 - 60%
aus Fettverbrennung und zu 40 - 50% aus Kohlenhydratverbrennung bereitgestellt
wird. In diesem Fall werden ca. 9 ”Fettkalorien” pro Minute verbrannt. Beispiel
2: Für eine Gewichtsreduktion ist letztlich nur ein höherer Kalorienverbrauch mit negativer Energiebilanz pro Tag entscheidend! Für
eine Gewichtsabnahme im Sinne einer Reduktion des Körperfettanteils ist nicht
so sehr der Fettabbau während des Trainings, schon eher der nach
dem Training (vorübergehend gesteigerter Fettstoffwechsel in der
Erholungsphase nach intensiver körperlicher Belastung, ”Nachbrenneffekt”),
letztlich aber nur der tägliche Fettabbau, also eine negative
Energiebilanz in 24 Stunden, entscheidend. Das heißt, der tägliche
Energieverbrauch muss höher sein als die Energiezufuhr bzw. die Energiezufuhr
geringer als der Energieverbrauch (gemessen in Kilokalorien bzw. Kilojoules).
Dann nämlich holt sich der Organismus in Ruhe (”Schlank im Schlaf”) die
noch benötigte, aber ”fehlende” Energie aus dem Fettgewebe (In Ruhe
verbrennen wir fast ausschließlich Fett). Je höher der sog. Grundumsatz,
desto mehr Fett wird verbrannt. Unter
Grundumsatz (GU) versteht man den Energieverbrauch bei ausschließlicher
Bettruhe, abhängig von der individuellen Muskelmasse und damit auch vom
Alter. Er beträgt pro Stunde etwas weniger als das eigene Körpergewicht in
Kilokalorien. Genauer: Beim Mann 900+10x Körpergewicht, bei der Frau
700+7x KG. (Bei einem 80kg schweren Mann sind das 1700 kcal, bei einer 60 kg
schweren Frau ca.1100 kcal/24 Stunden. Der höhere Grundumsatz des Mannes erklärt
sich durch dessen größere Muskelmasse). Somit kann der tägliche Grundumsatz
grob mit der einfachen Formel Körpergewicht x 20 (Frau) bzw. KG x 23
(Mann) abgeschätzt werden. Körperlich inaktive Menschen liegen jedoch
meist deutlich darunter ! Den
täglichen Kalorienbedarf, der meist überschätzt wird, kann man im Falle
fehlender körperlicher Betätigung (Büroarbeit) mit der Formel GU x 1,2 bzw.
bei mäßiger körperlicher Aktivität mit GU x 1,4 berechnen. Wenn
wir sinnvoll abnehmen wollen, müssen wir neben der richtigen Ernährung mit
ausgewogener, bewusst fettarmer (damit werden am effektivsten Kalorien
eingespart), kohlenhydratreicher Mischkost und nicht mehr als drei
Mahlzeiten pro Tag (Die gängige Empfehlung von fünf bis sechs Mahlzeiten täglich
ist kontraproduktiv, da aufgrund des in diesem Fall ständig erhöhten
Insulinspiegels im Blut der Fettabbau gehemmt wird - Insulin
fördert nicht nur die Aufnahme von Glucose=Traubenzucker und Aminosäuren in
die Körperzellen, sondern hemmt auch die Lipolyse=Fettspaltung. Fettabbau
kann somit am besten bei niedrigem Insulinspiegel stattfinden, also v.a. im
Nüchternzustand) körperlich aktiv sein, um den täglichen Kalorienverbrauch zu
steigern und dadurch Fettgewebe zu reduzieren. Die
Art und Weise der körperlichen Aktivität ist eigentlich nebensächlich. Die
Basis sollte immer ein körperlich aktiver Lebensstil sein. Aus
medizinischer Sicht ist Ausdauertraining zur Gewichtsreduktion am besten
geeignet, da es - abgesehen vom Gesundheitswert - nicht nur Energie (messbar
in Kilokalorien bzw. Kilojoules) verbraucht, sondern bei regelmäßiger Ausübung
auch den Grundumsatz erhöht und somit die Fettverbrennung in körperlicher Ruhe
steigert (”Schlank im Schlaf”, siehe oben). Die Intensität der körperlichen
Belastung ist eher zweitrangig - für eine negative Energiebilanz ist allein
der tägliche Energieumsatz, sprich Kalorienverbrauch in 24 Stunden,
entscheidend. Dieser ist umso höher, je höher der Grundumsatz ist, und je
intensiver und/oder länger eine körperliche Belastung erfolgt. Natürlich
setzt intensives Ausdauertraining einen guten Trainingszustand voraus, weshalb
es für ”Anfänger” nicht geeignet ist - sie würden nach kurzer Zeit
schlapp machen und aufgrund des nur kurzzeitig erhöhten Kalorienverbrauchs
somit kein effizientes Training zur Gewichtsreduktion durchführen. Aber
auch zu extensives Training -
wie es immer wieder als ”Fettabbautraining” empfohlen wird, ist zur
Gewichtsabnahme nicht sinnvoll ! Ein effektives Fettstoffwechseltraining,
welches sehr lange (Stunden!) durchgeführt werden muss, um wirklich gezielt den
Fettstoffwechsel zu trainieren, benötigt z.B. ein Marathonläufer oder
Triathlet (dabei wird nicht ”Fettabbau” angestrebt !), nicht jedoch ein
Freizeitsportler, der weder die Zeit noch den entsprechenden Trainingszustand
dafür hat, und bei dem nicht Stoffwechselökonomisierung und Steigerung der
aeroben Kapazität (Ausdauerleistungsfähigkeit) sowie Leistungsdenken, sondern
die angestrebte Gewichtsabnahme im Vordergrund steht. Ein großer Irrtum ist die sehr verbreitete Fehlmeinung, dass bei einer Ausdauerbelastung die Fettverbrennung erst nach ca. einer halben Stunde einsetzen würde. Tatsache ist, dass die jeweilige Energiebereitstellung von der Belastungsintensität bestimmt wird, nicht von der Belastungsdauer, und bei extensiver Belastung (z.B. Dauerlauf) die aerobe Energiegewinnung (ATP) aus Fett- und Kohlenhydratverbrennung (Oxidation von freien Fettsäuren und Glucose) bereits nach einer Minute einsetzt, wobei das Fett vorwiegend aus dem Fettgewebe und zum kleinen Teil auch aus der Muskulatur (richtig gelesen - auch in der Muskulatur befinden sich Fettzellen!) und der Traubenzucker (Glucose) aus den muskulären Kohlenhydratvorräten (Glykogenspeicher) mobilisiert wird. Die
Intensität eines Ausdauertrainings soll immer über die Herzfrequenz
gesteuert werden, wobei jeder Mensch ”seine” individuelle
“Pulskurve“ sowie maximale Herzfrequenz hat. Eine Herzfrequenz von z.B.
160 wird für die meisten einer relativ hohen Belastungsintensität entsprechen,
kann aber durchaus für den einen oder anderen noch eine extensive Belastung
sein. Deshalb sind Tabellen, wie man sie z.B. in Fitnessstudios sieht, oder
Faustregeln (wie ”180 minus Lebensalter” oder ”220 minus Lebensalter,
davon 70 Prozent”) zur Bestimmung der Belastungsherzfrequenzen ungeeignet,
diese müssen vom erfahrenen Sportarzt immer individuell ermittelt werden.
Falsch wäre es auch, wenn im Kollektiv mit derselben ”Pulsvorgabe”
trainiert werden würde - der eine wäre damit unter-, der andere überfordert. Für
die Praxis ergibt sich somit folgende Empfehlung, wenn eine Gewichtsreduktion im
Sinne einer Reduktion des Körperfettanteils angestrebt wird: · Regelmäßiges Ausdauertraining (mindestens dreimal pro Woche) mit nicht zu geringer Intensität ! Die Belastungsintensität sollte zum effektiveren Fettabbau (siehe obige Beispiele) etwas über dem ”Fettstoffwechselbereich” liegen und zumindest 20 Minuten gehalten werden können - je länger, desto effektiver (je nach Trainingszustand und Leistungsfähigkeit, für ”Anfänger” sind bereits 10 Minuten wirksam!). ·
Je
extensiver
die Belastungsintensität (immer gemessen an der Herzfrequenz), desto
länger kann bzw. sollte die Belastungsdauer sein. Je kürzer
die Belastungsdauer (z.B. bei Zeitmangel), desto intensiver muss
trainiert werden, um den gewünschten Effekt (einen ausreichenden
Kalorienverbrauch) zu erzielen. Die oft geäußerte Empfehlung, nach 17 Uhr nichts mehr zu essen, gilt natürlich nur dann, wenn am Abend kein Training durchgeführt wird. Ansonst darf und soll man selbstverständlich auch später noch eine Mahlzeit nach dem Training einnehmen, die - wie immer zu empfehlen - fettarm und kohlenhydratreich sein sollte. |